xTool O1 Omni im Einzug – UV-Druck ergänzt die Lasergravur
Es gibt Tage in der Werkstatt, die fühlen sich an wie der erste Schultag. Gestern war so einer: Ein Palettenhubwagen, eine ziemlich massive Kiste – und darin der xTool O1 Omni in der Dual-Head-UV-Edition. Nach Wochen des Abwägens steht er jetzt bei mir und macht meiner Laseranlage Gesellschaft.
Erst mal: der Brocken will getragen werden
41 Kilo. Das schreibt sich schnell, spürt man aber im Kreuz. Wer plant, sich so ein Gerät zu holen: Rechnet mit einem stabilen Tisch, plant rundherum Platz ein und macht den Aufbau am besten zu zweit. Mit gut 71 cm Breite und knapp 47 cm Höhe braucht der O1 Omni eine eigene Ecke, keine freie Tischkante.
Was mir als Maschinenbaumeister sofort auffällt: Die Verarbeitung stimmt. Kein klappriges Blech, keine wabbeligen Führungen. Das Ding steht satt, die Achsen laufen sauber, die Abdeckungen sitzen ordentlich. Man merkt, dass hier jemand Maschinenbau gemacht hat und nicht nur ein Gehäuse um eine Elektronik gebaut hat.
Der Erstaufbau selbst ist ehrlicher Weise mehr Geduld als Können: Druckköpfe einsetzen, Tinten einsetzen, spülen, kalibrieren. Man sollte sich dafür einen ruhigen Nachmittag nehmen und nicht zwischen zwei Kundenaufträgen quetschen.
Was das Gerät eigentlich macht
Der O1 Omni ist kein Laser. Das ist der Punkt, den ich am häufigsten erklären muss. Es ist ein UV-Drucker: Er druckt mit UV-härtender Tinte direkt auf feste Oberflächen – Holz, Acryl, Metall, Glas, Leder, Kunststoff. Und zwar in Vollfarbe, inklusive Weiß als Deckschicht, damit die Farben auch auf dunklen Untergründen leuchten.
Die Eckdaten der Dual-Head-Variante:
- Zwei Epson-F1080-Druckköpfe, dadurch spürbar schneller als die Single-Version
- 720 × 1440 dpi Auflösung
- CMYK, Weiß und ein 3-in-1-Lack für matt, glänzend oder Foliewirkung
- Relief- und Textureffekte bis 7 mm Aufbauhöhe
- Kamerabasiertes Positioniersystem mit ±0,2 mm Genauigkeit
- Rotationsaufsatz für Tumbler, Flaschen und runde Teile
Der erste Testdruck – ein Firmenlogo auf einer schwarz eloxierten Aluplatte – war nach wenigen Minuten fertig und deutlich schärfer, als ich es erwartet hatte. Farben satt, Kanten sauber, keine Ausfransungen.
Warum das für meine Kunden etwas ändert
Bisher lautete meine Antwort auf "Können Sie das auch in Farbe?" fast immer: Nein, aber wir können es gravieren. Eine Lasergravur ist präzise, dauerhaft und edel – aber sie ist eben Materialfarbe. Anodisiertes Alu wird weiß, Holz wird dunkel, Edelstahl wird anthrazit.
Ab sofort kann ich beides anbieten:
Vollfarbe auf fast allem. Firmenlogos in Originalfarben auf Werkzeugkoffern, Typenschilder mit farbigen Warnsymbolen, Schilder mit Corporate-Design-Farben statt Graustufen.
Fühlbare Reliefs. Der Texturdruck baut bis zu 7 mm auf. Damit lassen sich Oberflächen erzeugen, die man tatsächlich ertastet – interessant für Beschilderung, für hochwertige Verpackungen und für alles, was sich vom Standard abheben soll.
Runde Teile in Farbe. Tumbler, Thermosflaschen, Becher – der Rotationsaufsatz deckt einen Großteil der gängigen Behälter ab. Das war bislang der Bereich, in dem ich am häufigsten passen musste.
Kleinserien ohne Werkzeugkosten. Kein Sieb, kein Klischee, kein Mindestbestellwert von 500 Stück. Zehn Teile in Vollfarbe sind ab sofort genauso machbar wie zweihundert.
Laser und Drucker – kein Entweder-oder
Die wichtigste Erkenntnis der ersten Tage: Die beiden Maschinen konkurrieren nicht, sie ergänzen sich.
Der Laser bleibt gesetzt, wenn es um Dauerhaftigkeit geht. Eine Gravur ist Teil des Materials. Sie überlebt Öl, Lösungsmittel, Reinigung und Jahrzehnte im Industrieumfeld. Für Typenschilder nach Norm, für Werkzeugkennzeichnung, für alles, was abriebfest sein muss, führt kein Weg daran vorbei.
Der UV-Druck kommt dort ins Spiel, wo Optik zählt: Farbe, Bild, Logo, Verlauf, Fotoqualität. Und – das wird spannend – dort, wo beides zusammenkommt. Erste Idee, die ich diese Woche ausprobieren werde: Grundkontur und Seriennummer per Laser, Logo und Farbfläche per UV-Druck darüber. Das gibt eine Kombination, die weder die eine noch die andere Maschine allein hinbekommt.
Wie es weitergeht
In den nächsten Wochen arbeite ich mich durch die Materialien: Welche Vorbehandlung braucht welches Substrat, wie verhält sich der Lack auf Metall, wie haltbar ist der Druck auf Leder. Ich dokumentiere die Einstellungen, damit ich später nicht raten muss – und teile die Ergebnisse hier im Blog.
Wenn Sie ein Projekt haben, bei dem Farbe bisher das Ausschlusskriterium war: Melden Sie sich gerne. Ich probiere gerade ohnehin alles aus, was mir unterkommt.